Ein Jahr Petition

Ein Jahr Bundestagspetition - und was passiert jetzt?

Am 22. Oktober 2025 habe ich meine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht. Ein Jahr ist das inzwischen her. Und was ist seitdem passiert? Nun ja, die Petition wurde veröffentlicht, konnte sechs Wochen lang mitgezeichnet werden und befindet sich seit dem Ende der Mitzeichnungsfrist am 19. März 2026 in der Prüfung.

Inzwischen sind also mehr als sieben Monate vergangen, ohne das es eine abschließende Entscheidung gibt. Zeit, mir ein paar Gedanken darüber zu machen, was ich davon eigentlich halten soll.

Worum geht es überhaupt?

Wer sich mit Ziegenhaltung beschäftigt, kennt sie: die obligatorischen Ohrmarken. Sie dienen der amtlichen Kennzeichnung und damit der Identifizierung und Rückverfolgbarkeit unserer Tiere. Was auf den ersten Blick nach einer einfachen und sinnvollen Lösung klingt, ist in der Praxis allerdings problematisch.

Ohrmarken können das empfindliche Ohrgewebe verletzen, einreißen oder vollständig ausreißen. Gerade bei Tieren, wie Ziegen, die mit ihren Ohren irgendwo hängen bleiben, kann das böse enden. Wer einmal erlebt hat, wie eine Ziege mit einem verletzten oder abgerissenen Ohr dasteht, weiß, dass das kein rein theoretisches Problem ist.

Dabei gibt es längst technische Möglichkeiten, Tiere zuverlässig zu identifizieren, ohne dafür zwingend eine Ohrmarke verwenden zu müssen.

Genau hier setzt meine Petition an.

Ich fordere, das neben der bisherigen Kennzeichnung auch die Kombination aus Mikrochip und Fesselband als amtlich anerkannte Alternative zugelassen wird. Es geht mir also nicht darum, die Kennzeichnungspflicht abzuschaffen oder die Rückverfolgbarkeit unserer Tiere infrage zu stellen. Ganz im Gegenteil: Die Kennzeichnung soll erhalten bleiben. Ich möchte lediglich eine weitere Möglichkeit schaffen, die dem Tierwohl entgegenkommen kann.

Kurz gesagt: Kennzeichnung ja. Aber bitte mit einer Wahlmöglichkeit, die auch das Tierwohl berücksichtigt.

Die Petition findet ihr hier: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2025/_10/_22/Petition_188781.nc.html

Sechs Wochen Mitzeichnungsfrist - und dann?

Nachdem ich die Petition eingereicht hatte, musste ich zunächst darauf warten, das sie veröffentlicht wurde. Anschließend begann die sechswöchige Mitzeichnungsfrist. In dieser Zeit konnten andere Menschen das Anliegen unterstützen und ihre Stimme dafür abgeben.

Am 19. März 2026 endete diese Frist.

Insgesamt haben 323 Menschen online mitgezeichnet. Dazu kommt ein weiterer Mitzeichner auf dem Offline-Weg. Wie genau das funktioniert, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber hey, ich freue mich über eine zusätzliche Stimme!

Macht das zusammen 324 Mitzeichner? Ja. Klingt erst einmal nicht nach besonders viel, oder?

Ich gebe zu: Auch ich hätte mich natürlich über eine größere Zahl gefreut. Wenn man sich für eine Sache einsetzt, hofft man schließlich, möglichst viele Menschen dafür begeistern zu können. Wenn man dann auf die Zahlen schaut, kommt man vielleicht zunächst ins Grübeln.

Allerdings habe ich mich zwischenzeitlich intensiver mit der Petitionsplattform des Deutschen Bundestages beschäftigt. Dabei wird schnell deutlich, das man die Zahl nicht einfach für sich allein betrachten sollte.

Mein Anliegen ist ein richtiges Nischenthema. Es geht um die amtliche Kennzeichnung von Ziegen und eine mögliche Alternative zur Ohrmarke. Das ist kein Thema, das automatisch Tausende Menschen aufhorchen lässt. Wer keine Ziegen hält, sich nicht mit Landwirtschaft beschäftigt oder sich bisher nicht mit der Kennzeichnungspflicht auseinandersetzen musste, wird vermutlich kaum zufällig auf meine Petition stoßen.

Umso wichtiger finde ich es, die Zahl in diesem Zusammenhang zu betrachten.

324 Menschen haben sich mit meinem Anliegen beschäftigt und sich bewusst dafür entschieden, es zu unterstützen. Und darüber hinaus haben noch viele weitere Menschen von der Petition erfahren, sich mit der Thematik auseinandergesetzt oder zumindest einen Gedanken daran verschwendet.

Für mich ist das durchaus etwas wert.

Ich habe mit meiner Petition ein Thema angesprochen, das sonst vermutlich nur selten außerhalb der Ziegenhaltung diskutiert wird. Wenn ich dadurch Menschen erreicht habe, die sich vorher noch nie Gedanken über Ohrmarken, Mikrochip und Fesselband gemacht haben, dann habe ich bereits etwas bewegt.

Natürlich hätte ich mir mehr Mitzeichner gewünscht. Das darf ich ruhig sagen. Aber ich werde die erreichte Zahl auch nicht kleinreden, nur weil sie auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär wirkt.

Denn manchmal muss man sich eben erst einmal Gehör verschaffen, bevor überhaupt jemand zuhört. Letzendlich spielt die Anzahl auch eine kleinere Rolle, als man glauben mag. Mit jeder eingereichten Petition muss sich der Bundestag beschäftigen.

Ein Brief aus Berlin - und dann?

Einige Wochen nach dem Ende der Mitzeichnungsfrist erhielt ich einen Brief vom Deutschen Bundestag.

Ich war natürlich gespannt, was darin stehen würde. Immerhin hatte ich mich mit der Petition intensiv beschäftigt, sie ausgearbeitet, eingereicht und anschließend die gesamte Mitzeichnungsphase verfolgt.

Vielleicht gab es erste Rückfragen? Vielleicht eine Information darüber, wie es weitergeht? Vielleicht sogar schon eine erste Einschätzung?

Nun ja. Nicht ganz.

Mir wurde lediglich mitgeteilt, das sich die Petition nun in der Prüfung befindet und diese einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Das war's.

Ich will gar nicht unfair sein. Mir ist bewusst, das solche Verfahren Zeit benötigen können und das ich nicht erwarten kann, nach wenigen Wochen eine fertige Entscheidung auf dem Tisch liegen zu haben.

Trotzdem war ich nach all der Arbeit natürlich neugierig, was als Nächstes passieren würde. Der Brief hat mir zumindest bestätigt, das das Verfahren weiterläuft. Mehr konnte ich dem allerdings nicht entnehmen.

Seitdem heißt es also: warten.

Und genau an diesem Punkt wird es für mich interessant.

Denn was bedeutet das eigentlich?

Ist es ein gutes Zeichen, wenn sich ein Verfahren über Monate hinzieht? Setzen sich die zuständigen Stellen ernsthaft mit der Thematik auseinander? Werden rechtliche Möglichkeiten geprüft, bestehende Regelungen hinterfragt und Alternativen abgewogen?

Oder wird am Ende einfach nur Zeit geschunden?

Natürlich kann ich nicht beurteilen, was hinter den Kulissen geschieht. Ich weiß nicht, welche Stellen beteiligt sind, welche Fragen noch geklärt werden müssen oder wie weit die Bearbeitung tatsächlich fortgeschritten ist. Eine lange Bearbeitungszeit allein ist schließlich weder ein Beweis für ernsthaftes Interesse noch ein Zeichen dafür, das mein Anliegen abgelehnt werden soll.

Trotzdem stelle ich mir diese Fragen. Vor allem dann, wenn ich selbst viel Zeit, Arbeit und Überzeugung in ein Anliegen gesteckt habe.

Denn eine Petition einzureichen, bedeutet für mich nicht, einen Wunschzettel nach Berlin zu schicken und anschließend auf ein kleines Wunder zu hoffen. Zumindest nicht, wenn ich mir vorher die Mühe gemacht habe, meine Forderung vernünftig zu begründen.

Was spricht eigentlich dagegen?

Ich habe mich für diese Petition nicht einfach hingesetzt, ein paar Gedanken aufgeschrieben und gehofft, das sich schon jemand darum kümmern wird, weil jemand zwischen den Zeilen lesen kann oder meine Gedanken versteht.

Ich habe mich intensiv mit der Thematik beschäftigt, Argumente gesammelt, mögliche Einwände bedacht und versucht, das Anliegen so zu formulieren, das es nicht einfach mit einem pauschalen Nein vom Tisch gewischt werden kann.

Das war für mich durchaus eine Herausforderung.

Politik ist nämlich nicht unbedingt das Gebiet, auf dem ich mich von Natur aus am wohlsten fühle. Ich bin Ziegenhalterin, keine Berufspolitikerin. Ich beschäftige mich lieber mit meinen Tieren, ihrer Haltung und ihrer Zucht, als mich durch politische Zuständigkeiten, gesetzliche Regelungen und bürokratische Formulierungen zu arbeiten.

Aber wenn mich etwas stört und ich der Meinung bin, das dafür endlich eine bessere Lösung her muss, dann möchte ich mich nicht einfach damit abfinden.

Also habe ich mich eingearbeitet. Ich habe versucht, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verstehen, mögliche Gegenargumente vorwegzunehmen und meine Forderung so aufzustellen, das deutlich wird, worum es mir tatsächlich geht.

Nicht darum, die Kennzeichnungspflicht abzuschaffen.

Nicht darum, die Rückverfolgbarkeit unserer Tiere zu gefährden.

Auch nicht darum, irgendwelche Regeln einfach nach meinem persönlichen Geschmack zu verändern.

Ich möchte eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, die diese Ziele ebenfalls erfüllt und gleichzeitig dem Tierwohl Rechnung trägt.

Denn warum sollte eine alternative Kennzeichnung grundsätzlich ausgeschlossen sein, wenn sie die notwendigen Anforderungen erfüllen kann?

Warum sollte es nicht möglich sein, technische Entwicklungen und alternative Verfahren zu prüfen, statt ausschließlich an einer bestehenden Lösung festzuhalten?

Und vor allem: Warum sollte ich als Tierhalterin nicht die Wahl haben, sofern beide Möglichkeiten die erforderlichen Anforderungen erfüllen?

Genau das ist für mich der entscheidende Punkt. Ich fordere keine Sonderbehandlung für unsere Ziegen und auch keine Aufweichung der gesetzlichen Vorgaben. Ich fordere eine sachlich begründete Wahlmöglichkeit.

Eine Alternative muss natürlich zuverlässig funktionieren, rechtlich umsetzbar sein und den Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit entsprechen. Das stelle ich überhaupt nicht infrage.

Aber wenn diese Voraussetzungen erfüllt werden können, dann möchte ich, das man sich ernsthaft mit der Möglichkeit beschäftigt.

Genau dafür habe ich diese Petition eingereicht.

Ist die lange Prüfung nun ein gutes Zeichen?

Tja, wenn ich das wüsste!

Ein Teil von mir möchte natürlich glauben, das sich jemand intensiv mit meinem Anliegen auseinandersetzt. Das meine Argumente geprüft werden, das man sich mit den Möglichkeiten beschäftigt und das die zuständigen Stellen tatsächlich überlegen, wie eine solche Wahlfreiheit umgesetzt werden könnte.

Das wäre schließlich der Sinn einer Petition: ein Anliegen vorzutragen, das geprüft und bewertet werden soll.

Der andere Teil von mir fragt sich allerdings, ob die lange Wartezeit am Ende überhaupt etwas zu bedeuten hat.

Vielleicht ist das Verfahren schlicht aufwendig. Vielleicht gibt es viele andere Petitionen, die ebenfalls bearbeitet werden müssen. Vielleicht müssen unterschiedliche Stellen Stellung nehmen. Oder vielleicht ist mein Anliegen längst weniger spannend, als ich es mir erhoffe.

Ich weiß es nicht.

Und genau das ist der Punkt: Solange die Prüfung läuft, kann ich aus der Dauer allein keine verlässlichen Schlüsse ziehen.

Trotzdem finde ich es wichtig, nicht einfach still abzuwarten und irgendwann zu vergessen, das da noch etwas offen ist. Schließlich geht es um ein Anliegen, das mir persönlich am Herzen liegt und das aus meiner Sicht durchaus sachlich diskutiert werden kann.

Ich möchte wissen, wie mit meiner Petition umgegangen wird. Ich möchte verstehen, welche Argumente dafür oder dagegen sprechen. Und ich möchte am Ende nachvollziehen können, warum eine Entscheidung so und nicht anders ausgefallen ist.

Ist das zu viel verlangt?

Ich finde nicht.

Einfach Nein sagen? So leicht sollte es nicht sein.

Was mich an dem gesamten Verfahren besonders interessiert, ist die Frage, wie mit meinen Argumenten umgegangen wird.

Denn natürlich kann eine Petition am Ende abgelehnt werden. Die Einreichung einer Petition bedeutet nicht, das meine Forderung automatisch umgesetzt werden muss. Das ist mir vollkommen klar.

Aber ich wünsche mir, das eine Ablehnung sich tatsächlich mit meinem Anliegen auseinandersetzt. Das nachvollziehbar wird, warum die geforderte Änderung nicht möglich oder nicht sinnvoll sein soll.

Genau darauf habe ich bei der Ausarbeitung meiner Petition Wert gelegt.

Ich habe versucht, die Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und mögliche Gegenargumente bereits mitzudenken. Nicht, weil ich glaube, das es keine berechtigten Einwände geben könnte, sondern weil ich eine Diskussion ermöglichen möchte, die über ein einfaches "Das haben wir schon immer so gemacht" hinausgeht.

Wenn es tatsächlich sachliche, rechtliche oder technische Gründe gibt, die gegen meinen Vorschlag sprechen, dann möchte ich diese kennen.

Aber wenn eine Alternative die Anforderungen erfüllen kann, das Tierwohl berücksichtigt und die Rückverfolgbarkeit weiterhin gewährleistet, dann möchte ich auch wissen, weshalb sie nicht zugelassen werden sollte.

Für mich gehört beides zusammen: eine Forderung stellen und bereit sein, sich mit den Antworten auseinanderzusetzen.

Ich erwarte nicht, das mir jemand einfach recht gibt, nur weil ich mir viel Mühe mit der Petition gegeben habe. Aber ich möchte, das die Argumente für sich betrachtet werden.

Und ich möchte nicht, das ein berechtigtes Anliegen allein deshalb keine Chance bekommt, weil es Veränderungen erfordern würde.

Denn bestehende Regelungen sind nicht automatisch die einzig denkbaren Lösungen. Manchmal lohnt es sich, genauer hinzusehen und zu prüfen, ob etwas auch besser gehen könnte.

Wie geht es jetzt weiter?

Zunächst einmal heißt es wohl weiterhin abwarten.

Ich hoffe natürlich, das die Petition nicht einfach irgendwann mit einer knappen Begründung abgeschlossen wird, sondern das sich die zuständigen Stellen tatsächlich mit dem Kern meines Anliegens beschäftigen.

Ob die lange Prüfungszeit dafür spricht, das genau das geschieht, kann ich nicht sagen. Ich möchte mir weder unnötig Hoffnungen machen noch vorschnell davon ausgehen, das am Ende ohnehin nichts dabei herauskommt.

Aber ich möchte die Sache auch nicht einfach auf sich beruhen lassen.

Denn unabhängig davon, wie das Verfahren ausgeht, halte ich es für wichtig, solche Themen anzusprechen. Tierwohl und gesetzliche Vorgaben sollten kein Widerspruch sein. Und wenn es Möglichkeiten gibt, beides besser miteinander zu verbinden, dann sollten wir darüber reden dürfen.

Vor einem Jahr habe ich meine Petition eingereicht, weil ich der Meinung bin, das es eine bessere Wahlmöglichkeit geben sollte. An dieser Überzeugung hat sich nichts geändert.

Ich habe mich in ein Thema eingearbeitet, das mich nicht nur als Ziegenhalterin beschäftigt, sondern mich auch dazu gebracht hat, mich mit politischen Abläufen auseinanderzusetzen, mit denen ich vorher vermutlich deutlich weniger zu tun haben wollte.

Ob ich dadurch jetzt plötzlich Spaß an Politik habe? Sagen wir mal so: Ich habe zumindest gelernt, das man sich auch dann einmischen kann, wenn man nicht mit dem politischen Vokabular auf die Welt gekommen ist.

Manchmal reicht es, ein Problem zu erkennen, Fragen zu stellen und nicht lockerzulassen, nur weil die Antwort nicht sofort kommt.

Jetzt bin ich gespannt, wie der Deutsche Bundestag mit meinem Anliegen umgeht.

Vielleicht ist die lange Prüfung ein gutes Zeichen. Vielleicht auch nicht. Das wird sich erst zeigen, wenn eine Entscheidung vorliegt.

Bis dahin bleibt mir vor allem eines: weiter nachfragen, weiter darüber sprechen und hoffen, das am Ende nicht nur geprüft, sondern auch wirklich abgewogen wird.

Denn wenn ich etwas verändern möchte, muss ich irgendwann damit anfangen, bestehende Dinge infrage zu stellen.

... und manchmal beginnt das im Beisein einer Ziege ...

Ein Gedanke zu “Ein Jahr Petition”

  1. KW Karoline Weber sagt:

    ...der Antrag ist eigentlich nicht so kompliziert, daß man deshalb wochen- und monatelange Recherchen erwarten würde - Hunde und Katzen werden doch auch gechipt!?!?!
    Ich halte die Daumen, dass sich jemand findet, der die Angelegenheit pragmatisch und im Sinne des Tierwohls abschließend bearbeitet!!!

    1. S Susanna sagt:

      Wahre Worte ... Herzlichen Dank!

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